Theater ja, aber ohne Gigantismus!

Zum Abstimmungsverhalten der FDP-Fraktion zur Vorlage Instandsetzung, Modernisierung und Erweiterung des Theaters äußerte sich FDP-Fraktionsvorsitzender René Domke:

 „Die FDP-Fraktion hat in der vergangenen Bürgerschaftssitzung nicht das Theater abgelehnt. Sie hat einer Ausweitung des gigantischen Investitionsvolumens bei fehlendem inhaltlichem Konzept eine Absage erteilt.

Das Theater ist eine wichtige Kulturstätte in der Hansestadt Wismar besonders für Niederdeutsche Bühne, Puppentheater, Danzlüd und ehrenamtliche Engagements wie Kinder- und Jugendtheater.

Absolut unverständlich ist jedoch die Überfrachtung der Investition mit einem Veranstaltungs- und Kongresszentrum. Das Theater selbst könnte saniert werden mit wesentlich geringerem Beitrag. Ein Erhalt des Theaterbetriebs wäre allein schon schwer zu stemmen bei der enormen Verschuldung der Hansestadt Wismar, die eine der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung im Land aufweist. Nun wird die Investition aufgebläht, ohne dass die Einnahmeseite dabei spürbar wächst.

Mit Floskeln und heißen Bekenntnissen pro Kultur und Theater wird der finanzpolitische Wahnsinn erklärbar. Leider folgen die Vernünftigen und Realisten aufgrund des künstlich erzeugten öffentlichen Drucks den Träumern und Idealisten quer durch Fraktionen von SPD, CDU und LINKE, denn der eine oder andere zeigte hinter vorgehaltener Hand sein Unbehagen mit der Investition ins Blaue hinein.

Völlig unklar blieb die Neukonzeption des Theaterbetriebs, absolut unzureichend sind die Aussagen zur außerkulturellen Nutzung. Fadenscheinig sind die Lippenbekenntnisse aus Richtung Landkreis und Hochschule. Die Hochschule wurde bereits in 2010 als Kronzeuge angeführt mit fest zugesicherter Finanzierungsbeteiligung. Jedem, der auch nur einen Hauch von öffentlichen Haushalten versteht, hätte klar sein müssen, dass die Hochschule eine solche Investitionszusage gar nicht geben konnte.

Gefährlich wird die ganz bewusst in die Diskussion geführte Bindung der Investitionsentscheidung an das Bekenntnis zu Kultur, Bildung und anderen Wohlfühlthemen. Wer möchte denn nicht als Retter eines Theaters dastehen. Aber werden diejenigen sich daran auch erinnern und Verantwortung übernehmen, wenn andere freiwillige Leistungen, wie Tierpark, Sportförderung, Kinder- und Jugendarbeit gekürzt werden müssen?

Die Vergangenheit zeigt, dass man dann auch die Betroffenheitsnummer ziehen wird, und das Aussprechen der unbequemen Wahrheit erneut den Oppositionsfraktionen, und insbesondere der FDP-Fraktion überlässt, die dann gefühlt nüchtern und von Vernunft getragen, den Sparkurs anmahnt.

Und wenn sich jetzt die Vertreter von SPD, CDU und LINKE allzu betroffen zeigen, wie schrecklich der Zustand des Theaters ist und wie wichtig uns doch die Theaterkultur wäre, dann darf die Frage erlaubt sein, wo all die so betroffenen Bürgerschaftsmitglieder denn in den letzten 20 Jahren und insbesondere in den letzten 7 Jahren waren, als feststand, dass sich der Theaterstandort nicht ändert.

Während die anderen ähnlich unsicher durchfinanzierte Projekte wie Landesgartenschau, Phantechnikum, Markthalle am Alten Hafen, Wiederaufbau Alte Schule, Aufmauerung St. Marien, Umzäunung Fürstenhofgarten usw. anschieben, fragen sich die Liberalen, woher dieses Geld denn kommen soll, wer dies erwirtschaften soll und wie viele Generationen den Schuldenberg abtragen werden, den die jetzigen Entscheidungsträger in nur zwei Jahrzehnten auf ein historisches Rekordhoch angehäuft haben.“


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