30
Apr
08

Was lange währt – wird endlich gut? Wunder von Wismar ?

Rückkehr der 3 Stadtkirchen in die „Geistlichen Hebungen“ Bürgerschaftsbeschluss v. 24.04.08 Die Liberalen hoffen auf einen Erfolg bei der Rückübertragung der 3 Stadtkirchen vom „Volkseigentum“ in die „Geistlichen Hebungen“. Der Fraktionsvorsitzende der Fraktion Liberale Liste FDP Peter Manthey, nimmt den Artikel der OZ mit der Überschrift Drei Wismarer Kirchen zum Anlass um noch einmal die Position der Liberalen in der Hansestadt deutlich zu machen.

Peter Manthey wörtlich: „ Wir Liberale würden es sehr begrüßen, wenn mit dem Beschluss der Bürgerschaft am 24.04.2008 wirklich ein Weg zu einer Einigung aufgezeigt würde, mit dem alle Beteiligten zufrieden sein können. Die Kirchen sind zu Ehren Gottes gebaut und nicht zu Ehren der Menschen, das sollte dabei unser Leitgedanke sein. Wenn es jetzt gelingt eine Nutzungsvereinbarung zu finden, die den berechtigten Interessen aller Beteiligten Rechnung trägt und diese wunderbaren Denkmäler auch für kommende Generationen erhält wäre das wahrlich „eine Jahrhundertentscheidung“. Die Geschichte der Geistlichen Hebungen bringt einige Kuriositäten ans Tageslicht, die zum besseren Verständnis der Liberalen Position unbedingt erwähnt werden müssen: 1. Eigentlich sollte man glauben, die Kirchen gehörten der Kirche. Nicht so in Wismar, denn hier galt schwedisches Recht, als in Deutschland nach dem 30-jährigen Krieg die Gotteshäuser und Liegenschaften kirchliches Eigentum wurden. Sie verblieben in der von der Stadt betreuten mittelalterlichen Stiftung „Geistliche Hebungen“. Diese war von den Bürgern der Stadt aus eigenem Vermögen reichlich mit weiteren Grundstücken zwecks Erzielung von Pachten zur Erhaltung der Kirchen ausgestattet. Dieses ursprüngliche Kapital fehlt nun für die künftige Erhaltung der Kirchen, denn mit dem zu DDR Zeiten geschlossenen „Vertrag von 1961“ wurde den „Geistlichen Hebungen“ über 300 ha als z.B. Bauland für Wendorf und Friedenshof entzogen. Was für die „Geistlichen Hebungen“ bis heute deutliche finanzielle Auswirkungen hat! 2. Stiftungen wurden im Einigungsvertrag 1990 schlichtweg vergessen. So liegen die Vermögen, die 1990 noch vorhanden waren in den „Geistlichen Hebungen“ (zuletzt Volkseigen) noch heute beim Bund, der eine Einigung von Stadt und Kirche bis zum 31.03.08 gefordert hatte. Diese geforderte „Einigkeit“ für die Rückführung in die „Geistlichen Hebungen“ lag dann endlich 3 Tage vor der Bürgerschaft mit Schreiben des Superintendenten Dr. Siegert vor, käme sie nicht zustande würde dieses Vermögen womöglich in letzter Konsequenz an den Bund fallen.
Die Einigung über die Finanzierung ist dagegen offen. Die Stadt als Verwalterin (lehnt das Patronat ab), die Stiftung (hat kein verfügbares Kapital), die Kirchgemeinden sind finanziell ebenfalls etwas schwach (St. Nikolai finanziert derzeit seine Dachsanierung selbst) also Finanznöte an allen Stellen. Ein weiterer Streitpunkt ist der Alleinvertretungsanspruch der Bürgermeisterin über die „Geistlichen Hebungen“. Sie beruft sich auf das Regulativ von 1832 und übersieht dabei 12 weitere am Tisch sitzende (9 Bürgerschaftliche und 3 Rätliche) Abgeordnete, die alle kirchliche Gemeindemitglieder waren, die Dominanz einer Person war in dem Regulativ nicht vorgesehen, hier sind sicher noch Verhandlungen erforderlich! Halberstadt, so konnte man gerade in der OZ lesen, zeigt seine Schätze, Wismar versteckt sie? Über 3000 Bürger haben mit Ihrer Unterschrift für die Rückkehr auf den angestammten Platz des St.-Georgen-Altars gestimmt. 140 in alle Welt verstreute Wismaraner sind empört, mit welcher Respektlosigkeit der mit 750.000 € privatem Geld restaurierte wertvollste, größte Altar des Ostseeraumes in die Ecke gestellt werden soll. Gewissenhafte Denkmalschützer lehnen die Aufstellung dieses Kunstwerkes in der südlichen Turmkapelle wegen der bei voller Sonne zu erwartenden Zerstörung, ab. Die Frage der Altaraufstellung ist also ebenfalls ein wichtiger Verhandlungspunkt der noch einer Klärung bedarf. Die künftige Nutzung der Kirchen, so wurde betont, soll unstrittig sein – vertraglich geregelt ist diese Nutzung bisher aber noch nicht. Wir Liberale wollen alles tun, damit diese Fragen endlich einer Einigung zugeführt werden und fordern alle Beteiligten auf diese Verhandlungen 18 Jahre nach der Wiedervereinigung zu einem Abschluss zu führen. Das wäre nach jahrelangem Streit ein wirkliches Wunder für Wismar!



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